Wer schon einmal vor dem Regal im Baumarkt oder im Onlineshop von Isolbau stand, kennt das Problem: Dutzende Kartuschen, die sich optisch kaum voneinander unterscheiden. Acryl und Silikon sehen auf den ersten Blick fast identisch aus, doch wer sie verwechselt, riskiert teure Folgeschäden. Ob Risse in der Fuge, abplatzende Farbe oder Schimmelbildung – die Wahl des falschen Dichtstoffs ist einer der häufigsten Fehler am Bau.
In diesem Ratgeber erfahren Sie alles über die chemischen Unterschiede, die spezifischen Einsatzgebiete und warum die Frage „Acryl oder Silikon?“ weit mehr als nur eine Detailfrage ist.
1. Was ist Wandacryl? Der Freund des Malers
Acryl (oft auch als Maleracryl bezeichnet) ist ein plastoelastischer Dichtstoff auf Basis von Acrylharzen. Sein größter Vorteil ist gleichzeitig sein markantestes Merkmal: Er ist überstreichbar.
Die wichtigsten Eigenschaften von Acryl:
- Gute Haftung: Haftet hervorragend auf porösen Untergründen wie Putz, Mauerwerk, Beton und Gipskarton.
- Überstreichbarkeit: Da Acryl keine wasserabweisenden Öle enthält, verbinden sich Wandfarben und Lacke problemlos mit der Oberfläche.
- Geruchsarm: Acryl ist wasserbasiert und dünstet kaum Chemikalien aus, was es ideal für den Innenbereich macht.
- Plastoelastizität: Es ist bis zu einem gewissen Grad dehnbar, kehrt aber nach einer starken Belastung nicht vollständig in seine Ursprungsform zurück.
Wo wird Acryl eingesetzt?
Acryl ist der Standard für den Trockenbau und Innenausbau. Typische Anwendungsfälle sind:
- Anschlussfugen zwischen Gipskartonplatten und Mauerwerk.
- Risse in Innenwänden vor dem Tapezieren oder Streichen.
- Fugen an Fensterbänken und Türzargen (im Innenbereich).
2. Was ist Bausilikon? Der elastische Allrounder
Silikon ist ein elastischer Dichtstoff auf Silikonkautschuk-Basis. Im Gegensatz do Acryl bleibt Silikon dauerhaft extrem flexibel. Man spricht hier von einem elastischen Verhalten: Wie ein Gummiband kehrt es nach Dehnung oder Stauchung immer wieder in seine Form zurück.
Die wichtigsten Eigenschaften von Silikon:
- Dauerelastizität: Silikon kann Bewegungen von 20 % bis 25 % der Fugenbreite ausgleichen.
- Wasserabweisend: Es ist absolut wasserdicht und eignet sich daher perfekt für Nassräume.
- Pilzhemmend (Fungizid): Hochwertige Silikone für den Bau- und Sanitärbereich sind oft mit Wirkstoffen versetzt, die Schimmelpilzbefall vorbeugen.
- Witterungsbeständig: Es hält UV-Strahlung, Frost und Hitze stand, weshalb es im Außenbereich unverzichtbar ist.
Wo wird Silikon eingesetzt?
Überall dort, wo Feuchtigkeit im Spiel ist oder große Bauteilbewegungen zu erwarten sind:
- Sanitärbereich: Badewannen, Duschen, Waschbecken.
- Außenbereich: Anschlussfugen an Fassaden, Fenstern (außen) und Dächern.
- Dehnungsfugen: Bei Bodenbelägen wie Fliesen oder Laminat.
3. Der direkte Vergleich: Die 5 entscheidenden Unterschiede
Um die richtige Entscheidung für Ihr Projekt bei Isolbau zu treffen, müssen Sie die fundamentalen Differenzen verstehen.
I. Dehnfähigkeit
Hier gewinnt das Silikon deutlich. Während Acryl bei starken Spannungen (z. B. arbeitendes Holz oder Setzbewegungen im Neubau) schnell reißt, macht Silikon diese Bewegungen über Jahre hinweg mit.
II. Überstreichbarkeit (Der „Dealbreaker“)
Dies ist der wichtigste Punkt: Silikon kann man nicht überstreichen. Farbe perlt auf Silikon einfach ab. Wenn Sie eine Fuge an der Zimmerdecke ziehen, die später weiß gestrichen werden soll, müssen Sie Acryl verwenden.
III. Wasserresistenz
Acryl ist wasserlöslich, solange es noch nicht ausgehärtet ist. Auch danach ist es nicht für dauerhafte Staunässe geeignet. Silikon hingegen ist der Spezialist für „nasse“ Jobs.
IV. Geruch und Aushärtung
Acryl härtet durch das Verdampfen von Wasser aus und riecht dabei fast neutral. Silikon (insbesondere essigvernetzendes) setzt beim Aushärten Essigsäure frei, was einen stechenden Geruch verursachen kann. Für empfindliche Oberflächen wie Naturstein gibt es jedoch neutralvernetzende Bausilikone.
V. Alterungsverhalten
Acryl neigt dazu, im Laufe der Jahre etwas zu schrumpfen und spröde zu werden. Silikon bleibt länger „gummiartig“, kann aber durch Seifenreste oder stehendes Wasser im Bad verfärben oder trotz fungizider Wirkung Schimmel ansetzen, wenn es nicht gepflegt wird.
4. Übersichtstabelle: Acryl vs. Silikon
| Eigenschaft | Wandacryl | Bausilikon |
| Überstreichbar | Ja | Nein |
| Elastizität | Gering (plastoelastisch) | Hoch (dauerelastisch) |
| Wasserfestigkeit | Spritzwassergeschützt | Wasserdicht |
| Einsatzort | Innen (Trockenbau) | Innen & Außen (Nassraum) |
| Schimmelresistenz | Gering | Hoch (oft fungizid) |
| Schrumpfverhalten | Sichtbar beim Trocknen | Minimal |
5. Wann welches Produkt? Praxisbeispiele
Szenario A: Die neue Trennwand im Wohnzimmer
Sie haben eine Wand aus Gipskarton eingezogen. Die Fuge zur Decke muss geschlossen werden.
- Wahl: Wandacryl. Warum? Weil Sie die Decke und die Wand streichen wollen. Silikon würde hässliche Ränder hinterlassen, die keine Farbe annehmen.
Szenario B: Die Duschkabine einbauen
Die Fugen zwischen Fliesen und der Duschwanne müssen abgedichtet werden.
- Wahl: Sanitär- oder Bausilikon. Warum? Hier herrscht ständige Feuchtigkeit. Acryl würde aufweichen und Schimmel keine Paroli bieten können.
Szenario C: Risse in der Außenfassade
An der Außenwand zeigen sich kleine Setzrisse im Putz.
- Wahl: Hier kommt es auf das Produkt an. Es gibt spezielles Fassadenacryl, aber meist ist ein hochwertiges, UV-beständiges Bausilikon oder ein Hybrid-Dichtstoff die bessere Wahl, um gegen Schlagregen geschützt zu sein.
6. Profi-Tipps zur Verarbeitung
Egal ob Sie sich für Acryl oder Silikon aus dem Isolbau-Sortiment entscheiden – die Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg.
Untergrundvorbereitung
Die Fuge muss sauber, trocken sowie staub- und fettfrei sein. Altes Silikon muss restlos entfernt werden, da neues Silikon nicht auf altem haftet (hier hilft ein Silikonentferner).
Das Glätten
- Acryl: Kann einfach mit dem Finger und etwas klarem Wasser geglättet werden.
- Silikon: Hier benötigen Sie ein Glättmittel (oder eine milde Spülmittellösung) und einen Fugenglätter. Achtung: Zu viel Spülmittel kann bei manchen Silikonen Verfärbungen verursachen.
Die „Dreiflankenhaftung“ vermeiden
Ein häufiger Fehler: Der Dichtstoff haftet am Boden der Fuge und an den beiden Seitenwänden. Bei Bewegung reißt das Material. Profis nutzen eine Hinterfüllschnur (Rundschnur), damit das Material nur an den Seiten haftet und so optimal arbeiten kann.
7. Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
- Silikon überstreichen wollen: Das ist der Klassiker. Wenn es passiert ist, hilft nur: Silikon mühsam rauskratzen und von vorn beginnen.
- Acryl im Bad verwenden: Nach wenigen Monaten wird die Fuge gelb, bröckelig oder schwarz vor Schimmel.
- Zu günstiges Material kaufen: Billig-Produkte haben oft einen hohen Anteil an Füllstoffen. Sie schrumpfen extrem stark und reißen schneller. Die Investition in hochwertige Isolbau-Qualität spart langfristig Zeit und Geld.
Fazit: Die richtige Wahl für langlebige Ergebnisse
Der Unterschied zwischen Wandacryl und Bausilikon ist fundamental. Merken Sie sich die goldene Regel: Acryl für den Maler, Silikon für den Klempner.
- Nutzen Sie Acryl, wenn Sie die Fuge unsichtbar machen und überstreichen wollen, besonders bei geringen Bewegungen im Innenbereich.
- Nutzen Sie Silikon, wenn es um Abdichtung gegen Wasser, Flexibilität und den Außenbereich geht.
Bei Isolbau finden Sie für jedes Projekt die passende chemische Lösung. Achten Sie beim Kauf nicht nur auf den Preis, sondern auf die technischen Datenblätter und den spezifischen Einsatzzweck. Eine gut gewählte Fuge ist das unsichtbare Rückgrat einer jeden Sanierung!